Freitag, 15. Dezember 2017

Constellations


















avenues
avenues and flowers

flowers
flowers and women

avenues
avenues and women

avenues and flowers and women and
a photographer

credits:
Dakota Johnson, Hari Nef and Petra Collins (women)
Glen Luchford (photographer)


















avenues
avenues and flowers

flowers
flowers and a man

avenues
avenues and a man

avenues and flowers and a man and
three admirers 

credits:
Eric Buterbaugh (floral design)
Alessandro Michele (man)
Dakota Johnson, Hari Nef and Petra Collins (admirers)
Alexi Lubomirski (photographer)
Joanna Hillman (fashion editor)

Sonntag, 10. Dezember 2017

La canzone del parco


















Alle reden vom Wald. Über den Park, die Allmende der
Städtebewohner, spricht so gut wie niemand. Dafür wird
er besungen, von baustelle zum Beispiel, ja, er singt so-
gar selbst: Rachele Bastreghi leiht ihm ihre Stimme. Auch
für Liaisons dangereuses ist der Park ein Jugendclub ohne
Sozialarbeiter: „Los niños del parque“. Volljährig gewor-
den begnügen wir uns mit Jacques Préverts „matin dans
la lumière de l’hiver au parc Montsouris à Paris“.

Weiterführende Literatur: Walter Benjamin, Zentralpark;
Robert Smithson, Frederick Law Olmsted and the Dialec-
tical Landscape. Abbildungsnachweis: Gustav Klimt, The
Park (1910 or earlier), Oil on canvas, 110.4 x 110.4 cm,
Museum of Modern Art (Gertrud A. Mellon Fund).

Samstag, 25. November 2017

Spätrömische Kunst-Industrie


Freitag, 17. November 2017

The plant turn


















Aristoteles mochte die Pflanzen nicht.
Giorgio Agamben (2005)

Charlotte Casiraghi était venue décerner le prix des Ren-
contres Philosophiques de Monaco à l’essayiste Emanuele
Coccia pour son ouvrage La vie des plantes. Une métaphy-
sique du mélange. (Juin 2017)

Ich lese das neue Buch von Emanuele Coccia Das Leben der
Pflanzen. Eine Metaphysik der Mischung. Der italienische
Philosoph […] sagt: Wir diskriminieren die Pflanzen, wir re-
den immer über Menschen und Tiere, aber die Pflanzen ha-
ben auch ein Leben, wir haben sie vernachlässigt. Für mich
ist das Buch, obwohl noch nicht auf Deutsch erschienen, das
Buch des Jahres.
Hans Ulrich Obrist (2017)

Der Hanser Verlag, der die Rechte für Coccias Buch erworben
hat, kündigt dessen Übersetzung (aus dem Französischen von
Elsbeth Ranke) unter dem Titel Die Wurzeln der Welt. Eine
Philosophie der Pflanzen für Mitte März nächsten Jahres an.

Die Pflanze bewegt ihren ganzen Körper so frei und leicht und
graziös wie das geschickteste Tier — nur viel langsamer. Die
Wurzeln wühlen suchend im Erdreich, die Knospen und Sprosse
vollführen gemessene Kreise, die Blätter und Blüten nicken und
schauern bei Veränderungen, die Ranken kreisen suchend und
langen mit gespenstigem Arm nach der Umgebung — aber der
oberflächliche Mensch geht vorbei und hält die Pflanze für starr
und leblos, weil er sich nicht die Zeit nimmt, eine Stunde lang
bei ihr zu weilen. Die Pflanze aber hat Zeit. Darum eilt sie nicht;
denn die Riesen in Floras Reich leben durch die Jahrhunderte und
sehen zu ihren Füßen ungezählte Generationen von Menschen auf-
leben und vergehen.
Raoul Heinrich Francé (1906)

Wer neugierig geworden sein sollte, kann Coccias Buch Das Gute
in den Dingen. Werbung als moralischer Diskurs lesen, das, von
Lilja Walliser übersetzt, im Oktober dieses Jahres im Merve Ver-
lag erschienen ist.

Mittwoch, 25. Oktober 2017

T wie Tennis


















Als letztes Jahr die deutsche Übersetzung von Laurent
Binets La septième fonction du langage erschien, froh-
lockte das „bürgerliche“ Feuilleton. Theoriefern oder,
wie es sich ausdrücken würde, „unverschwurbelt“, wie
es ist, war es hocherfreut, den Herren Philosophen, zu
deren Texten es beim besten Willen keinen Zugang fin-
de, endlich einmal auf die Pelle rücken zu können: zum
Beispiel Foucault beim Blowjob in der Schwulensauna.

Binets Plot ist schnell erzählt: Roland Barthes, der En-
de Februar 1980 vom Lieferwagen einer Wäscherei an-
gefahren wurde und wenig später starb, war nicht das
Opfer eines Unfalls, sondern eines vorsätzlichen Mordes.
Deshalb ermittelt Kommissar Jacques Bayard, beraten
von Vincennes-Dozent Simon Herzog, im intellektuellen
Milieu: Befragt wird auch Gilles Deleuze, den BHL belas-
tet hat.

Simon Herzog ist begeistert, den großen Philosophen zu
Hause besuchen zu dürfen, zwischen seinen Büchern, in
seiner Wohnung, wo es nach Philosophie und kaltem Zi-
garettenrauch riecht. Der Fernseher läuft, ein Tennis-
spiel, Simon registriert eine Fülle von Büchern über Leib-
niz, die überall verstreut liegen. Man hört das Ploppen
der Bälle, es spielen Connors und Nastase.

Tatsächlich trafen die beiden am 31. März 1980, fünf Ta-
ge nachdem Barthes seinen Verletzungen erlegen war, 
bei den Monte Carlo Masters, einem Sandplatzturnier mit
zwei Gewinnsätzen, aufeinander: Connors konnte die Par-
tie mit 6-4, 6-2 klar für sich entscheiden.       
 

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Schöne gelbe Farbe


















Wer das 35 Jahre alte Original kennt, wird bemerkt haben,
dass Denis Villeneuves Fortsetzung Blade Runner 2049 sich
vor allem in den Farbwerten unterscheidet. Die in Scotts
Version vorherrschende kühle Blau-Rosa-Farbigkeit wird ins
Güldene erweitert. „The yellow“, wie Villeneuve schon im
Juli erklärte, „is something I can’t talk about, but… it’s a
very important color“. Wofür steht die gelbe Farbe? Es be-
ginnt ganz unscheinbar. KD6.3-7, kurz K findet an einem
toten Baum ein ausgerupftes Pflänzchen, Blüte, Stiel, Blät-
ter, Wurzel, alles dran. Behutsam packt er sie in eine Be-
weismaterialplastiktüte. Ich dachte unwillkürlich an Cha-
misso, die Weltumseglung auf der Rurik und die emblema-
tische Pflanze Kaliforniens: California Poppy oder Eschschol-
(t)zia californica. Johann Friedrich Eschscholtz war Schiffs-
arzt nicht nur auf dieser Expedition, sondern einer zweiten.
Dieser verdankt ein Archipel seinen Namen: die Eschscholtz-
inseln. Eine von ihnen ist das Bikini-Atoll. Am 25. Juni 1956
explodierte dort Dakota im Rahmen der Operation Redwing.


















Wer sich ein wenig für ernstzunehmende deutsche Geistes-
und Kulturwissenschaften interessiert, wird bemerkt haben,
dass der Titel dieses Posts geklaut ist. Schöne gelbe Farbe.
Godard mit Deleuze heißt ein Aufsatz von Joseph Vogl, der
vor gut zwanzig Jahren in einem Sammelband zur Philoso-
phie Gilles Deleuze’ erschienen ist. Vogl, der vor zwei Wo-
chen seinen sechzigsten Geburtstag feiern konnte, zitiert,
vom gusto filologico durchdrungen, mit seinem Titel ledig-
lich Fritz Langs Worte, die dieser in Le Mépris beim Anblick
Francesca Vaninis (Giorgia Moll) im gelben Bademantel vor
einer Außenwand der Villa Malaparte auf Capri sagt: „Schö-
ne gelbe Farbe“. Natürlich bedankt sich die polyglotte Fran-
cesca für dieses Kompliment auf Deutsch: „Danke!“
 

Samstag, 9. September 2017

Kunst am Bau


















Crazy, close reading, eine literaturwissenschaftliche Mo-
de der 50er Jahre, scheint wieder en vogue zu sein. In Stel-
lung gebracht wird dieser ranzige Anachronismus, um ange-
hende Sozialpädagogen in die Schranken zu weisen. Die ha-
ben sich erdreistet, auf die Unangemessenheit einer dürfti-
gen spanischen Wortfolge des Werbetexters Eugen Gomrin-
ger auf einer Wand ihrer Hochschule hinzuweisen und deren
Modifikation zu fordern. Grund genug, dass große Geschütze
aufgefahren werden. Trauriger Höhepunkt: Michael Lentz’
ganzseitiges Apotropaion im Feuilleton der FAZ, das bei all
seiner Pseudogelehrtheit vor allen Dingen eines sagt: Wir er-
klären Gedichte, ihr betreut unsre Kinder…

Das Verdienst, diese Ansage auf Sendung-mit-der-Maus-For-
mat heruntergebrochen zu haben, gebührt der Slampoetin
Nora Gomringer. In einem Facebook-Video erklärt sie, die
sich als jüngste Direktorin einer bayerischen Kulturinstituti-
on ever eigentlich mit ganz anderen Sachen beschäftigen
sollte, sich als „Tochter der Literaturwissenschaftlerin und
Lehrerin Nortrud G. und des Dichters und Ästhetikprofessors
Eugen G.“ nicht nur genetisch dazu prädestiniert, sondern
in der Pflicht sehe, von ihrer Belehrungsbefugnis Gebrauch
zu machen. Immerhin lässt sich Nora-Eugenie, die Wohlgebo-
rene, in ihrem volkserzieherischen Furor so tief herab, das
Sprachkunstwerk zum Abbild einer außersprachlichen Wirk-
lichkeit zu degradieren: „inhaltlich [sei das Gedicht aveni-
das] eine Szenenbeschreibung der Ramblas in Barcelona“.


















Barcelona, 1951, war da nicht was? Um genau zu sein, Mitte
März kam es zu mehreren Generalstreiks. Der Spiegel vom
21. März berichtet unter dem Titel „Hang zur Anarchie“:
Spanien wird autoritär regiert. Die staatlich gelenkten Syn-
dikate der Arbeitnehmer kennen kein Streikrecht. Trotzdem
legten letzte Woche in der katalanischen Haupt- und Indus-
triestadt Barcelona 300 000 Werktätige die Arbeit nieder,
demonstrierten auf der Straße, warfen Straßenbahnen und
Autos um und wollten das Rathaus in Brand stecken. Die Un-
ruhen konnten von den staatlichen Organen (durch Marine-
truppen verstärkt) schnell unterdrückt werden.
Auf den avingudas, um es katalanisch zu sagen, prägen 1951
weder dones noch flors das Bild.

Doch ein Gedicht besteht nicht aus Tagespolitik, sondern aus
Wörtern: aus besagten avenidas (Boulevards), mujeres (Frau-
en), flores (Blumen) und (y) un admirador (einem Betrachter).
Gefragt ist also der Hispanist. Sollte er lexikalisch informiert 
sein, weiß er, dass flor nicht nur ‘Blume’ sondern auchBlüte’
bezeichnet. Und sollte er sich rudimentär mit Botanik ausken-
nen, weiß er, dass Blüten die Geschlechtsorgane der Pflanzen
sind. Hat er sich darüber hinaus ein wenig mit falangistischer
Ikonographie beschäftigt, überrascht ihn die Kombination von
Frauen und pflanzlichen Geschlechtsteilen nicht. Ein Blick auf
das Plakat der ersten von Generalissimo Francisco Franco und
seiner Ehefrau Carmen Polo besuchten Feria de Abril in Sevilla
(1953) genügt: